Ribbecker Kulturparcours
Sommernacht: Unterhaltung von Wiener Klassik bis Singender Säge
MARLIES SCHNAIBEL
RIBBECK Die gute Nachricht zuerst: Es regnete nicht. Jetzt die bessere Nachricht: Es war ein schöner Abend, an dem schon bald nicht mehr übers Wetter gesprochen wurde. Und jetzt die beste Nachricht: Die zweite Auflage der Ribbecker Sommernacht geriet durchweg gelungen.
Zweitausend Besucher bewegten sich sichtlich entspannt durch das Dorf, und das, obwohl das ersehnte Laue einer Sommernacht fehlte. Mit Wetterjacken und Regenschirm ausgerüstet, meisterten alle den Kulturparcours des Samstagabends. Drei Stunden hatten sie Zeit, jeder legte seinen eigenen Fahrplan fest.
"Wir müssen noch zum Poeten im Baum." "Die Seilartisten will ich auch nicht verpassen." "Das Schloss mit den blauen Fenstern soll cool aussehen, da müssen wir noch mal hin." An diesem Abend fallen Entscheidungen, andere lassen sich treiben und fangen an der Bühne am Schloss an. Hier haben erstmals die Havelländischen Musikfestspiele die Programmgestaltung übernommen. "Musikalisch liegen wir zwischen Barock und Wiener Klassik", beschreibt Frank Wasser, künstlerischer Leiter der Festspiele, die Auswahl. Auge und Ohr können hier genießen. Das "Orchestra da Camera Vianello" spielt, geleitet wird es von Andreas M. Wolter am Cembalo vor den gefüllten Rängen.
Die Ränge, das sind in diesem Falle Holzbänke. Ein Stück weiter sind es Strohballen. An den Kastanien hat das Publikum darauf Platz genommen, um den Artisten zuzuschauen. Herzlicher und anerkennender Applaus für die Bodenartisten von "Equi Libre". Die Ausstrahlung der Artisten erhöht sich noch in dunkler Stunde, als das Duo "Sleepness Night" mit seinen Seilen über einem Bett agiert das Publikum schaut, staunt, hält den Atem an. Und als ein kleines Mädchen fragt "Was macht die Tante da?", da entschlüpft dem Vater selbstvergessen ein "phantastisch".
Und so soll sie sein die Ribbecker Sommernacht: eine Nacht für die Sinne. Für viele gehört auch Essen und Trinken dazu, dafür hatten die Organisatoren in diesem Jahr reichlich gesorgt. Auch Bratwurst fehlte nicht.
Aber natürlich hatten die Veranstalter eher an Sinne anderer Art gedacht. An Höheres, Erhabeneres. Und da wurde den Besuchern für ihr Geld am Sonnabend wahrlich viel geboten.
Der Jazzclub Havelland als Partner hatte geholfen, den Gewölbekeller der Alten Brennerei mit Musik zu füllen. Annette Wizisla, exzellente Jazzpianistin aus Berlin, und ihre Band spielten einfühlsamen Jazz, der gut in den Raum passte. Der Raum passte allerdings nicht unbedingt gut zu den Besuchermassen, denn die Musiker saßen am tiefsten Punkt des Kellers, waren zwar überall gut zu hören, aber nur von wenigen gut zu sehen, so zogen viele Besucher schnell wieder weiter. Lange stehen mochte keiner.
Dann besser weiterschlendern in den Pfarrgarten. Dort gab es immer wieder Neues zu genießen. Corinna Naassner spielte Harfe und Britta Schönbrunn tanzte dazu; ob der Poet im Baum oder Katharina Bek mit ihrer "Singenden Säge" alles fand seine Liebhaber. Über allem schwebten Seifenblasen. Fabriziert hat die eine Seifenblasenmaschine, die vor allem von den Jungen bestaunt wurde.
Der Pfarrgarten entfaltete seinen ganzen Zauber bei Einbrechen der Dunkelheit. Dafür hatten die Nauener Lichtdesigner Martin Torkler und Maria Voigt gesorgt. Sie hatten auch das Schloss in blaues Licht getaucht, hatten Kirche und Brennerei mit den markanten Schriftzügen Fontanes überzogen.
Mit Lichtprojektionen arbeitete auch das "Atelier Havelblick" aus Strodehne, es zeigte private Schmalfilme zum Thema Garten; die führten auf verwackelten und farbstichigen Bilder in die 70er-Jahre und erinnerten an eine sozialistische Welt mit Grillen in der Badehose, mit planschenden Kindern, mit Männerballett bei Gartenfesten, mit kuchenessenden Damen in der Hollywoodschaukel.
Das Atelier Havelland, hinter dem sich die Filmer Gabriele Konsor und Roland Eckelt verbergen, gehört zu den neuen Partnern der Veranstalter. "Wir wollen als Plattform für Künstler aus dem Havelland agieren", erklärte Arndt Hermann vom Ribbecker Kunstverein ein Anliegen der Sommernacht: Mit Künstlern aus der Region für Leute aus der Region etwas schaffen. Wobei Ribbeck das Potenzial hat, über die Grenze des Havellandes hinaus zu strahlen, der Sonnabend hat das einmal mehr gezeigt.
Dass es nicht die großen Bühnen sein müssen, um das Publikum zu begeistern, bewies Daniel Malheur. Er sang Schlager und Chansons aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, darunter ein berühmtes Lied von Charles Trenet. "Das gut nach Schleswig-Holstein passt, aber auch hier klingt es ganz schön: La Mer." Immerhin ein Mückenmeer hatten die Ribbecker am späten Abend dann doch noch zu bieten.
Quelle: www.maerkischeallgemeine.de